6. August 2013

LINKER Direktkandidat im Einsatz für ein Freibad

Duisburg: Schlange vor dem Kombibad

Duisburg: Schlange vor dem Kombibad

Direktkandidat Lukas Hirtz

Lukas Hirtz wurde im Januar einstimmig zum Direktkandidaten für die Duisburger LINKE gewählt. Im Februar wurde er dann auf Platz 16 der Landesliste gewählt. Nun kämpft er auch als Beisitzer der Bürgerinitiative für den Erhalt des Kombibads Homberg. Er steht für das Homberger Signal Rede und Antwort, interviewt von Jürgen Hagenguth.

HS: Lukas, müsstest du als doppelter Bundestagskandidat nicht all deine Kraft in den Wahlkampf stecken? Warum engagierst du dich dennoch für das Kombibad?

Tatsächlich hat meine Partei mir mehrfach großes Vertrauen ausgesprochen, zumal ich für einen Politiker noch sehr jung bin. Und tatsächlich kostet der Kampf um das Kombibad sehr viel Zeit und Kraft. Doch das Kombibad bedeutet mir persönlich und vielen Hombergern sehr viel. Außerdem ist es das letzte in einer ganzen Region. Wo sollen Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren denn im Sommer hingehen wenn das Kombibad nicht mehr existiert? Hier wird eine nicht mehr füllbare Lücke gerissen, die schädlich für die Gesundheit und Lebensqualität vieler ist. In diesem Sommer haben wir schon einige Ertrunkene im Ruhrgebiet zu beklagen, weil es einfach zu wenige Schwimmbäder gibt.

HS: Nochmal: Passt es denn zusammen, dass du nicht deine gesamte Freizeit dem Wahlkampf widmest, sondern vor allem für das Bad kämpfst?

DIE LINKE steht als einzige Partei zu einer breiten öffentlichen Daseinsfürsorge, die die Gesellschaft bereitstellen muss. Hierbei stellen Bäder ein wichtiges Element dar. Es passt also programmatisch hervorragend. Abgesehen davon habe ich schon die Gründe dargestellt, warum das Kombibad erhalten bleiben muss.

Die Arbeit mit und für die Menschen vor Ort, daher auch der Wahlslogen 100% sozial, 100% vor Ort, ist auch Kernelement unserer Partei. Wir wollen nicht nur reden, sondern auch handeln, deshalb sind viele unsere Genossen Mitglieder der BI.

HS: Aber die Fraktion DIE LINKE im Rat der Stadt Duisburg, hat der Schließung des Bades  mit dem Haushaltssarnierungsplan zugestimmt, du bist Mitglied der Gesamtfraktion?

Ich habe aber auch immer gegen diese Entscheidung gekämpft. Ich und mein Ortsverband hielten sie immer schon für falsch. Deshalb haben wir als einzige Partei, von den anderen verspottet, den Kampf um das Kombibad weitergeführt.

Als wir dann nachgewiesen haben sind die anderen Aprteien wieder kurzfristig auf den Zug aufgesprungen, haben aber nicht viel gemacht. Dann war es ruhig, bis wir zur Gründung einer Bürgerinitiative (BI) aufgerufen haben. Wir haben aber von vornherein gesagt, wenn es eine BI gibt, hat diese die Meinugnshoheit und wir unterstützen sie wo wir können. Jetzt versuchen CDU und FDP die BI für ihren Wahlkampf auszunutzen, sie tragen keine Verantwortung in der Stadt und versuchen sich in billgem Stimmenfang...

Unsere Fraktion wollte die Schließung des Bades nicht, doch sie hatte die Pistole auf der Brust und wurde von den enorm hohen, falschen Zahlen geblendet. Außerdem haben die Kooperationspartner gedrängt.

HS: Was meinst du mit „Pistole auf der Brust“?

Duisburg wurde wie 144 andere Kommunen in NRW mit Aufgaben von Bund und Land überlastet und ist wie die anderen Kommunen überschuldet. Klar, gab es Dummheiten und teure Leuchtturmprojekte, die wir immer kritisiert haben. Die großen Probleme liegen aber in den sogenannten Pflichtaufgaben, also die Aufgaben, zu der Bund und Land die Stadt verpflichtet haben, ohne für de Finanzierung zu Sorgen, sowie bei den Kreditzinsen. Das mss auf der einen Seite finanziert werden. Auf der anderen Seite haben SPD, Grüne und FDP im Landtag den sogenannten Stadtstärkungspakt (SSP) beschlossen. Deshalb musste Duisburg 62 Mio. € in vier Jahren einsparen. Ansonsten würde ein Sparkommissar geschickt, der die Stadt abwickelt, abbaut.

HS: Dann kann das Kombibad nicht mehr gerettet werden?

Doch!!! Es ist aber schwer! Der SSP war viel zu hoch angelegt. Deshalb hat der Stadtsportbund für das Kombibad viel zu hohe Zahlen eingesetzt, um auf die Zielvorgaben zu erreichen. Wir haben nachgewiesen, dass die Zahlen falsch sind. Davon müssen wir noch den Rat überzeugen, sodass er dem Einwohnerantrag zustimmt. Dazu braucht es auch noch großen Druck von der Bevölkerung.

Das muss der Rat dann wieder gegenfinanzieren. Deshalb sollten wir parallel Vorschläge machen, etwa Bandenwerbung oder Vermietung des Dachs für Solaranlagen.

HS: Wie willst du dich im Bundestag dafür einsetzen?

Wenn wir das Kombibad auf Dauer sichern wollen, muss aber die finanzielle Situation der Stadt wirklich verbessert werden. Das funktioniert nicht über Spardiktate, die bis 2020 den Haushalt ausgleichen sollen. Dabei wird die Stadt zerstört.

Der Bund muss der Stadt echt Hilfe zukommen lassen. Sei es über ein Zinsmoratorium, eine neue kommunale Steuergrundlage, aber vorallem auch die Ausfinanzierung der Aufgaben. Dazu muss aber auch der Bund mehr Geld einnehmen. Das geht nur, wenn die wirklich Reichen zur Kasse gebeten werden. Dafür steht DIE LINKE. Deshalb kämpfe ich auch für eine starke Linksfraktion im nächsten Bundestag.

HS: Vielen Dank, Lukas.